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© Genrich Altow. Der Hafen der Steinernen Stürme. Verlag Das Neue Berlin, 1980.
NEUN MINUTEN

Einen Monat nach dem Start von der Grosa, einem Planeten im System des Fomalhaut, war es passiert. Im Plasmotron, das die Staubschutzanlage mit Energie versorgte, war es zu einer nicht mehr steuerbaren Reaktion gekommen, und die Automaten hatten den außer Kontrolle geratenen Reaktor in den Weltraum hinauskatapultiert.

"Wir müssen uns über die entferntesten Sektionen verteilen", sagte der Ingenieur.

Wir hatten keinen Kommandanten; jeder war für sein Gebiet verantwortlich.

"Über die entferntesten Sektionen!" wiederholte der Ingenieur hartnäckig, obwohl kein Widerspruch laut geworden war. "Notfalls kann auch einer allein das Schiff ans Ziel bringen. Und wir dürfen uns nicht von der Stelle rühren. Wir werden mit sechsfacher Beschleunigung fliegen. Vier Monate lang."

Nun war ich allein im Observatorium. Nur selten brauchte ich mich aus dem Amortisationssessel zu erheben, um die Elektronik zu kontrollieren und die vollen Kassetten auszuwechseln. Im Grunde genommen eine sinnlose Arbeit, denn alles, was getan werden konnte, hatten wir bereits auf dem Weg zum Fomalhaut erledigt. Die Instrumente erfüllten das Observatorium jedoch mit den Geräuschen des Lebens. Bücher, Abspieleinrichtungen und Filmprojektoren hatten wir denen gelassen, die auf der Grosa zurückgeblieben waren. Und so hing ich in diesen langen Wochen ausschließlich meinen Gedanken nach.

Vor uns war man - von Aufklärungsflügen einmal abgesehen - bisher nur zum Alpha Centauri und zum Sirius geflogen. Wir waren die ersten, die zum Fomalhaut gestartet waren. An dem Tag, an dem die Bugsierraketen die "Danko" in die Startzone befördert hatten, wurden in der Expeditionsliste einhundertundzehn Personen geführt. Der Flug hatte über ein Jahr gedauert. Zweiunddreißig Planeten, die sich um eine grellweiße Sonne drehten - das entschädigte uns für alles. Wir bildeten uns ein, das Schwerste überstanden zu. haben. Doch von den vier Erkundungsgruppen, die zu verschiedenen Planeten aufgebrochen waren, kehrte nur eine zurück - die von der Grosa. Daraufhin landeten wir auf der Grosa. Wir errichteten ein Raketodrom und eine Basis, und unsere Raketoplane umkreisten den Planeten von Pol zu Pol.

Er ist merkwürdig, dieser Planet. Anfangs kam er uns erstaunlich ruhig vor. Aber seine Orkane... Solche kennt man auf der Erde nicht. Urplötzlich brechen sie los. Drei Minuten finsteres Chaos - nur drei Minuten -, und dann wieder Stille.

Wir waren fünf, als wir mit der "Danko" die Heimreise antraten. Vierundachtzig Personen blieben auf der Grosa zurück.

Ja, es ist schon ein merkwürdiger Planet. Vielleicht liegt es auch daran, daß er menschenleer ist. Da schaut man auf einen Wald und denkt: Dahinter liegt doch bestimmt eine Stadt. Denn der Wald und die Vögel und der Fluß - das ist alles wie auf der Erde. Und dennoch weiß man, daß es weder Städte noch eine einzige menschliche Behausung auf dem ganzen Planeten gibt.

Ich weiß noch, die "Danko" ging bei Tagesanbruch nieder, und das erste, was wir sahen, war eine Morgenröte, die den halben Himmel bedeckte. Die Tönung war so satt, daß man meinte, sie mit Händen greifen zu können. Später betrachteten wir diesen Himmel mit Befremden. Für wen diese Sonnenaufgänge? Wozu?

Auch auf der Erde gibt es öde Landstriche - Eisund Sandwüsten. Aber die ödesten Wüsten sind die, in denen keine Menschen existieren. Nach dem Start der "Danko" blieb auf der Grosa eine winzige Forschungsstation zurück: sechzehn in den felsigen Boden eingegrabene Häuschen, zwei Observatorien und Hangars, umgeben von menschenleerer ödnis, die sich über den ganzen Planeten erstreckt, all seine Ozeane, Meere, Berge, Wälder und Steppen umfaßt.

Tag für Tag, Woche um Woche dachte ich an jene, die auf der Grosa zurückgeblieben waren. Heute weiß ich nicht mehr, wie ich auf den Gedanken gekommen bin, daß ich als erster die Erde er- . blicken würde. Von dem Moment an konnte ich kaum noch an etwas anderes denken.

Unser optisches Verbindungssystem war schon lange ausgefallen, und die Funkwellen waren sehr starken Störungen ausgesetzt, aber die beiden Teleskopanlagen funktionierten noch. Und der Bildschirm des Heckteleskops befand sich hier, im Observatorium !

Ich hatte mir ausgerechnet, wann die Stärke des Teleskops ausreichen würde, um die Erde auf dem Bildschirm wahrnehmen zu können. In achtundneun- zig Stunden würde es soweit sein. Ich drehte den Sessel so, daß ich den Bildschirm sehen konnte. Er war hellgrau - die ganze mattsilberne Oberfläche Meter für Meter.

Die "Danko" verringerte ihre Geschwindigkeit, den Reflektor zur Erde gerichtet. Solange das Triebwerk arbeitete, konnte man das Heckteleskop nicht einschalten. Wenn die achtundneunzig Stunden um sind, dachte ich, wird der Ingenieur das Triebwerk abstellen, ganz bestimmt, alle kommen ins Observa- torium herauf, und dann halten wir nach der Erde Ausschau. Ich werde sie früher erblicken als die an- deren, weil der Bildschirm sich sofort belebt, wenn das Triebwerk abgeschaltet ist. Die anderen brau- chen etwas Zeit, um hierherzukommen, nachdem die Überlastung aufgehört hat; ich aber bin bereits hier, mein Sessel ist nur drei Meter vom Bildschirm entfernt.

Hin und wieder kam unser Arzt ins Observato- rium. Er mußte emporklimmen, denn seit die "Danko" sich mit dem Reflektor zur Erde gedreht hatte, befand sich das Observatorium ganz oben. Der Lift funktionierte nicht, und so mußte der Doktor siebzig Meter auf einer schmalen Galerie emporklimmen. Er brauchte lange, um zu verschnaufen, und erzählte derweil Neuigkeiten. Unser internes Verständigungssystem funktionierte nicht, und solange wir der Überlastung ausgesetzt waren, konnten wir es nicht reparieren. Es waren lustige Neuigkeiten; der Doktor hatte sie sich selber ausgedacht.

Eines Tages fragte er: "Wissen Sie, wieviel ungenutzte freie Tage, nach irdischer Zeit berechnet, sich bei mir schon angesammelt haben?" Die Überlastung hemmte seine Bewegungen, doch ohne auch nur einmal haltzumachen, arbeitete er sich bis zu dem Sessel vor, der dem Bildschirm am nächsten war. "Fünfhundert! Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich hier... nun, wenigstens einen halben Tag sitzen bleibe?"

"Anderthalb Tage, Doktor", korrigierte ich ihn. "In siebenunddreißig Stunden werden wir die Erde zu sehen bekommen."

Siebenunddreißig Stunden, murmelte er, das sei eine Bagatelle, das sei überhaupt nicht der Rede wert, und machte es sich im Sessel bequem.

"Was meinen Sie", fragte er, auf den silbrigen Bildschirm blickend, "was hat sich wohl in dieser Zeit auf der Erde verändert? Für uns sind nur zwei Jahre vergangen, auf der Erde jedoch fast ein halbes Jahrhundert."

"Befürchten Sie, daß unsere Entdeckungen veraltet sind?"

Der Doktor antwortete nicht; er schlief.

Nein, dachte ich bei mir, meine Entdeckungen sind noch nicht veraltet. Wohin konnte man denn in dieser Zeit schon fliegen? Nun, zum Atair oder wieder zum Sirius. Dort wird man so etwas nicht finden. Höchstens beim Deneb; aber bis zu dem sind es fünfhundertundvierzig Lichtjahre.

Ich nickte ein, und als ich die Augen wieder aufschlug, sah ich den Biologen neben mir sitzen. In diesen Monaten hatte er sich einen prächtigen rotblonden Bart stehen lassen.

"Es heißt", sagte er, sich den Bart streichend, "die Erde sei bald zu sehen. Jawohl, Astronauten, alle Zeitungen sind voll davon."

"Diese Gerüchte sind übertrieben", versetzte der Doktor. "Wir werden einen kleinen hellen Punkt sehen, das ist alles."

"Verzweifelt nicht, Astronauten", sagte der Biologe nachsichtig. "Soll ich euch schildern, wie man uns auf der Erde empfangen wird?"

Wir kannten einander gut. Hinter der gespielten Heiterkeit des Biologen spürte ich, daß er sich schon lange darüber Gedanken machte.

"Ich hoffe, ihr erinnert euch noch, wie man uns verabschiedet hat", fuhr der Biologe fort. "Ein bärtiges Akademiemitglied hielt eine rührende Ansprache. Er hatte genauso einen Bart wie ich jetzt; nur daß er hier gestutzt war und nicht so... Na, und dann sprach dieser sympathische Kerl vom Komitee. So ein stupsnasiger ..."

"Natürlich erinnere ich mich noch", sagte der Doktor. "Er sagte doch immer Pärsec statt
Parsec."

"Genau. Anschließend überreichten uns die Mädchen, die auf dem Kosmodrom arbeiteten, Feldblumensträuße. Danach ..."

"Wir erinnern uns", unterbrach ihn der Doktor. "Ganz genau erinnern wir uns. Und was weiter?"

"Wie rührend, daß ihr die Abschiedsreden in euren Herzen bewahrt habt, Astronauten", spöttelte der Biologe. Er liebte es nicht, unterbrochen zu werden. "Nun denn, laßt all eure Phantasie spielen, wendet eure ganze Vorstellungskraft auf - und ihr werdet doch nicht erraten, was bei unserer Rückkehr passiert."

"Was denn?"

Die Frage kam von dem Physiker. Wir hatten sein Eintreten gar nicht bemerkt.

"Folgendes: Ihr glaubt, ein halbes Jahrhundert sei vergangen und auf der Erde lebten andere Menschen und alles habe sich verändert. Astronauten, ihr habt auch nicht ein bißchen Phantasie! Wenn wir landen, wird uns dasselbe bärtige Akademiemitglied begrüßen, das sich noch ganz genau der Abschiedszeremonie erinnert und sich nicht im mindesten verändert hat. Und derselbe sympathische stupsnasige Kerl vom Komitee. Und dieselben Mädchen. Könnt ihr euch das Bild vorstellen? Nun, als wären wir nur für eine oder anderthalb Stunden weggewesen und kehrten nun zurück." Er sah uns triumphierend an. "Na schön, Astronauten, ihr tut mir leid. Ich werd’ es euch erklären. Es handelt sich um vererbtes Gedächtnis. Ihr werdet euch erinnern, wie es kurz vor unserem Abflug darum stand. Nur noch letzte Schritte waren erforderlich. In diesen fünfzig Jahren ist das Problem ganz bestimmt gelöst worden."

"Na und?" sagte der Physiker. "Was ist denn schon dabei, wenn der Sohn eines Künstlers sozusagen der künstlerische Erbe seines Vaters wird! -Halt, Moment mal, meinen Sie damit etwa, daß... es keinen Fortschritt mehr geben wird?"

"Vererbte Spezialisierung", sagte der Doktor nachdenklich. "Ich nehme an, auf der Erde ist man sich über die Kompliziertheit dieses Problems nicht weniger im klaren als wir uns. Auf der einen Seite ein kolossaler Ausbildungsgewinn und auf der anderen eine Art von Zunftspezialisierung..."

"Ich schlafe jetzt, Astronauten", erklärte der Biologe. "Es ist schädlich, seine Gehirnwindungen bei sechsfacher Überlastung zu strapazieren."

Und er nickte tatsächlich ein.

Eine Stunde später kam der Ingenieur. Er war kaum noch wiederzuerkennen: Ganz mitgenommen sah er aus, seine Wangen waren eingefallen, und die Kombination hing wie ein Sack an ihm herunter.

"Die Automaten werden das Triebwerk abschalten", sagte er. "Denkt daran, Genossen, daß gleich darauf die Schwerelosigkeit beginnt."

Komisch, die letzten Stunden waren wie im Fluge vergangen. Vielleicht deshalb, weil wir wieder beisammen waren.

Die Schwere verschwand urplötzlich. Die entlasteten Stoßdämpfer der Sessel stießen uns jäh bis zur Decke empor, und im selben Augenblick flammten auf dem schwarz gewordenen Bildschirm grell die Sterne auf.

Ich prellte mir die Schulter schmerzhaft an der Decke. Jemand verdeckte teilweise den Bildschirm, dennoch erblickte ich sofort die Sonne. Erst die Sonne, dann die Venus, den Mars und sogar den Merkur.

"Warum ist denn die Erde nicht zu sehen?" fragte der Biologe erregt. "Verdammtes Teleskop! Sollte die Erde etwa von der Sonne verdeckt sein?"

Man ließ mich zum Bildschirm durch, und ich zeigte, wo die Erde sich befinden müßte.

"Aber da ist doch nichts", sagte der Doktor zögernd. "Also stimmt es nicht?"

"Was sollte da wohl nicht stimmen!" entgegnete der Physiker. "Ich habe die Berechnungen zweimal überprüft, bei mir, mit meinem Rechner. Die Erde muß hier sein. Schaut doch mal genauer hin."

Von der Erde war nichts zu sehen.

Ich begab mich zum Schaltpult und löschte das Licht im Observatorium. Dann verringerte ich die Vergrößerung des Teleskops. Das Bild schrumpfte zusammen, dafür tauchten Jupiter, Saturn und Uranus auf dem Bildschirm auf.

Ich drehte erneut am Regler. Die großen Planeten verschwanden wieder vom Bildschirm, und aus dem Dunkeln traten drei helle Punkte hervor: Merkur, Venus und Mars.

"Die Erde ist nicht da", stellte der Physiker fest.

"Aber erlaubt mal, was heißt hier: ist nicht da?" fragte der Doktor, an den Ingenieur gewandt.

Der blieb eine Antwort schuldig.

Das sei die äußerste Vergrößerung, erklärte ich, und die Berechnungen könnten nicht falsch sein -schließlich sähen wir ja alle anderen Planeten.

"Das ist doch der reinste Humbug!" entrüstete sich der Doktor plötzlich. "Demnach ist die Erde spurlos verschwunden?"

Niemand antwortete ihm.

"Laßt uns der Sache auf den Grund gehen", forderte er hartnäckig.

"Hört mal", sagte der Biologe. Seine Stimme klang heiser. "Das ist doch nicht etwa... Krieg? Krieg - und nun existiert die Erde nicht mehr. Überhaupt nicht mehr!"

"Nun mal sachte, Pawel!" unterbrach ihn der Ingenieur, und ich merkte, daß er sich bereits Gedanken darüber gemacht hatte. "Auf der Erde sind fast fünfzig Jahre vergangen, Da kann alles mögliche passiert sein. Zum Beispiel können sie die Umlaufbahn der Erde geändert haben."

"Als wir losflogen, war die Abrüstung in vollem Gange", bemerkte der Doktor.

"Na wennschon!" wandte der Biologe ein. "Es kann ja ein Konflikt ausgebrochen sein."

Der Doktor zuckte mit den Achseln.

"Aber ein Planet ist verschwunden, so begreift doch: ein ganzer Planet! Der Mond ist auch nicht mehr da."

"Fünfzig Jahre sind vergangen", sagte der Biologe. "Ihr habt doch gehört. In dieser Zeit kann man sich alles mögliche einfallen lassen."

Mechanisch, ohne recht zu wissen, was ich tat, kehrte ich zu meinem Sessel zurück und schnallte mich wieder an. Die geprellte Schulter schmerzte stark. Auf einmal hörte ich nichts mehr von dem Gespräch. Es wurde dunkel um mich, stockdunkel wie bei unerträglicher Überlastung. Das dauerte unendlich lange. Dann kehrte mein Denkvermögen zurück. Ich schaute mich um. Alle saßen in ihren Sesseln, obwohl nach wie vor keine Schwere vorhanden war. Auf dem Bildschirm leuchteten um die Sonne herum drei goldene Punkte. Nur drei!

"Es ist einfach unfaßbar", sagte der Physiker. "Die gesamte Milchstraße ist an Ort und Stelle. Samt Sonne und Planeten. Die Erde aber ist nicht da!"

Ja, das ganze unendliche Universum war an Ort und Stelle. Nur ein winziges Staubkörnchen war spurlos verschwunden - die Erde.

"Wir müssen das bekanntmachen."

Das hatte wohl der Doktor gesagt. "Wem denn?"

Niemand antwortete. In der Tat, wem konnten wir schon mitteilen, daß die Erde verschwunden war! Hier und da in der grenzenlosen Weite des dunklen Kosmos flogen andere Raumschifte. Hier und da in der Nähe von fremden, fernen Sternen gab es kleine Forschungsstationen. Aber selbst wenn wir nicht fünf, sondern fünfhundert oder tausend wären - was würde das schon ändern!

Gab es doch keine Erde mehr!

"Ich glaube es nicht", sagte der Ingenieur leise. "Wir müssen hin. So schnell wie möglich. Zum Fo-malhaut können wir nicht mehr zurückkehren."

"Wir werden von vorne anfangen", sagte der Biologe heiser. "Die Erde mit ihren unlösbaren Widersprüchen ... Eines kam zum anderen, von Generation zu Generation wurde alles immer verworrener und komplizierter. Dort war es nicht mehr möglich, einen Ausweg zu finden. Im Kosmos aber ist jetzt die Blüte der Menschheit. Wir werden neu anfangen. Unser werden viele sein ..." Der Doktor suchte ihn vergebens zum Schweigen zu bringen. "Warum fürchtet ihr euch, der Wahrheit offen ins Gesicht zu sehen?" fuhr der Biologe wie im Fieber fort. "Das Unvermeidliche ist geschehen. Die Menschheit wird weiterleben. Aber ohne Erde. Sie befreit sich von diesem Knäuel unlösbarer Widersprüche..."

"Die einzige Freiheit, die ich nicht anerkenne", sagte der Ingenieur, "ist die von der Heimat. Wir werden zur Erde fliegen. Ich glaube nicht... Die Menschen konnten doch nicht zufassen... "

Nein, dachte ich bei mir, sie hätten es nicht zugelassen, hätten sie von hier aus auf die Erde schauen können. Mochten die Sterne auch tausendmal heller leuchten als die Erde, mochte es auch unermeßlich viele von diesen Sternen geben, ganz gleich - ohne Erde war das Weltall öd und leer!

"Jawohl, wir fliegen zur Erde", sagte ich. "Das wollen doch alle."

Wir blickten den Biologen an, und er erklärte sich einverstanden.

Ich wollte mich konzentrieren - hatte ich doch das Gefühl, ich müßte mir etwas einfallen lassen -, war jedoch nicht dazu imstande. Dann tauchte ein Gedanke auf, der alles andere in den Hintergrund drängte: Die Menschen, was sie auch immer sein und wo sie sich auch immer befinden mögen, sind ein Abglanz der Erde. Hinter jedem Menschen steht die Menschheit. Hinter den Robotern, selbst den klügsten, hingegen steht keine "Maschinheit". Wahrscheinlich besteht eben darin der Hauptunterschied.

Das Schweigen währte sehr lange. Ich spürte, daß viel Zeit verging, doch wieviel, wußte ich nicht, darüber machte ich mir keine Gedanken. Zusammen mit der Erde war auch die Zeit verschwunden.

Dann drang von irgendwo aus weiter Ferne die unsichere Stimme des Physikers an mein Ohr: "Hört mal her. So hört doch endlich! Ich möchte wissen, ob man auf diesem Bildschirm auch eine Ultraviolettprojektion erhalten kann. Wißt ihr, mir ist da nämlich ein Gedanke gekommen. Die Erdathmosphäre absorbiert doch nicht das gesamte auftreffende Licht. Ein Teil davon wird zerstreut und geht verloren. Und wenn man nun lernt, das zu verhindern, es, sagen wir, irgendwie in den oberen Atmosphäreschichten zu absorbieren und dann zu nutzen ... versteht ihr, dann könnten wir doch deshalb die Erde überhaupt nicht sehen!"

Der Ingenieur kam mir zuvor. Sich vom Sessel abstoßend, flog er zum Schaltpult.

Das Bild auf dem Schirm wurde verschwommen. Die zottige Sonne nahm an Umfang zu. Die Venus wurde heller, Mars und Merkur verloren an Glanz.

"Nein", sagte der Biologe dumpf. Vorgeneigt stand er dicht am Bildschirm. "Ich sehe sie nicht."

Und dann dachten wir alle fast gleichzeitig an die Infrarotprojektion. Auch wenn man gelernt hatte, das gesamte zur Erde gelangende sichtbare und ultraviolette Licht einzufangen, die infraroten Wärmestrahlen mußten dennoch weiterhin in den Weltraum emittiert werden; sonst wäre der Wärmehaushalt des Planeten gestört.

Der Ingenieur änderte die Abstimmung des Bildschirms, und wir erblickten die Erde! Sie war dort, wo wir sie gesucht hatten, sehr hell, viel heller als Mars und Venus. Neben ihr leuchtete beinahe genauso hell der Mond.

"Endlich!" flüsterte der Biologe.

Ich versuchte mir auszurechnen, wieviel Energie die Menschen erhielten, gab es jedoch gleich wieder auf. Das war jetzt unwichtig.

Ich blickte auf das Leuchtzifferblatt des Chronographen und stellte fest, daß neun Minuten vergangen waren - nur neun Minuten! -, seit die Schwere geschwunden war und die Automaten das Teleskop eingeschaltet hatten.

Schweigend starrten wir auf die Erde.

Die zur Erde zurückkehrenden Raumschiffe werden stets Überraschungen erleben; das Hegt in der Natur der Dinge. Denn die Menschen werden noch viel Neues ersinnen. Doch in den Raumschiffen muß man die Gewißheit haben, daß die Erde ewig existiert. Sonst kann man nicht zu anderen Sternen fliegen.

Der Ansicht sind wir, die wir neun Minuten lang ohne Erde gelebt haben.


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